
Der Lehrter Bahnhof in Berlin
Ende der 1860er Jahre errichtete die "Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn" die Bahnlinie
Berlin - Stendal - Gardelegen - Lehrte. Ziel der Gesellschaft war eine zur Strecke Berlin -
Potsdam - Magdeburg - Hannover konkurenzfähige Linie nach Hannover zu errichten. Als Endpunkt
wurde in Berlin von 1869 bis 1871 durch die Architekten Alfred Lent, B. Scholz und
Gottlieb Henri Lapierre der Lehrter Bahnhof errichtet.
Die Bahnsteighalle wies eine Länge von 188 m und eine Breite von gut 38 m auf. Vom
Querbahnsteig des Kopfbahnhofs gingen zwei Seiten- und ein Mittelbahnsteig ab. Ein fünftes
Gleis führte ohne Bahnsteigkante in die Halle. Um den Mittelbahnsteig verbreitern zu
können wurde später jedoch auf das fünfte Gleis verzichtet.
Im östlichen Seitenflügel des Bahnhofs fuhren die Züge ab, im westlichen kamen
sie an. Dort gab es auch eine überdachte Vorfahrt für Droschken. Da auch am
östlichen Seitenflügel ein Eingang vorhanden war, ergab sich die skurile
Situation, daß das schmuckvolle Hauptportal ohne Funktion blieb.
1879: Die Bahnsteighalle des Lehrter Bahnhofs,
noch mit fünf Gleisen und einem schmalen Mittelbahnsteig.
1882 wurde die Stadtbahn eröffnet, die 4-gleisig die Stadt in Ost-West-Richtung durchquerte.
Sie verlief direkt nördlich des Lehrter Bahnhofs. Dort wurde der Lehrter Stadtbahnhof
angelegt, in dem die Vorortzüge, später die S-Bahn, hielten. Ab 1884 wurde der Fernverkehr
Richtung Hannover komplett über die Stadtbahn abgewickelt, so daß im Lehrter Bahnhof
Kapazitäten frei wurden. Statt den Lehrter Bahnhof zu schließen, wurde der nur wenige Meter
entfernte kleinere Hamburger Bahnhof geschlossen und der Fernverkehr nach Hamburg in den Lehrter
Bahnhof verlegt. Dadurch verkehrten z.B. von 1933 bis 1939 die bekannten "Fliegenden Hamburger"
vom Lehrter Bahnhof aus.
1911: Die schmuckvolle Front des
Bahnhofsgebäudes, das auch 'Schloß' genannt wurde, lag direkt hinter dem Humboldthafen.
Im 2. Weltkrieg wurde der Lehrter Bahnhof stark beschädigt. Der nach dem Krieg wieder
aufgenommene Verkehr wurde dann am 28.08.1951 endgültig eingestellt. im Oktober 1957
begannen dann die Abrißarbeiten am Bahnhof, die jedoch mit Vorsicht durchgeführt
werden mußten, da Stadtbahn und Stadtbahnhof erhalten blieben. Das Hauptportal wurde
am 22.04.1958 gesprengt, die Abrißarbeiten waren dann im Sommer 1959 beendet.
1948: Die Halle ist zwar ohne Dach, der Betrieb ist aber wieder aufgenommen. Der Mittelbahnsteig ist deutlich breiter als 1879, das fünfte Gleis verschwunden.
© 2001 axel mauruszat
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